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Letze Synode Ev. Dekanat Darmstadt-Land

Wie wollen wir Kirche sein?

M. Thierolf/DekanatDie letzte Synodentagung des Evang. Dekanats Darmstadt-Land in Ober-Ramstadt

Die Zukunft der Evangelischen Kirche und die Veränderungen im Prozess ekhn2030 standen im Fokus der letzten Tagung der Synode des Evangelischen Dekanats Darmstadt-Land in Ober-Ramstadt vor der Fusion mit dem Nachbardekanat Darmstadt-Stadt am 1. Januar 2022. Ein Rückblick auf Entscheidungen und Entwicklungen in der sechsjährigen Amtsperiode zeigte das engagierte Wirken der Synode auf.

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M. Thierolf/DekanatDr. Steffen Bauer

Vielfalt, Kreativität und Engagement gewürdigt

Ober-Ramstadt. Von Abschied und Dankbarkeit aber auch Zukunftsperspektiven geprägt war die Tagung der Synode des Evangelischen Dekanats Darmstadt-Land im Prälat-Diehl-Haus in Ober-Ramstadt. Zum letzten Mal trafen sich die Delegierten aus den 18 Kirchengemeinden zwischen Erzhausen und Pfungstadt, Roßdorf und Ernsthofen, deren Amtszeit nach sechs Jahren endet. In ihrer Rückschau benannte Ulrike Hoppe, die Vorsitzende der Dekanatssynode, „Themen und Aufgaben, die uns oft von höherer Stelle aufgegeben wurden, uns gefordert und bewegt haben, zu Diskussion, Aktion und Reaktion“. Sie nannte beispielhaft die Fusion mit dem Nachbardekanat Darmstadt-Stadt, die Pfarrstellenbemessung, die Einführung der Doppik sowie der Ausblick auf die Umwälzungen durch den Prozess ekhn2030. Als beglückend bezeichnete die Vorsitzende die „inspirierenden Andachten und Impulse, die persönlichen Begegnungen und der Austausch, die Ehrungen und Anerkennungen vieler Personen und Projekte, die die Vielfalt und Kreativität dieses Dekanats wiederspiegeln. – und nicht zuletzt die Kontinuität des Engagements.“  Geschätzt habe sie auch die engagierten, zum Teil kontroversen und emotionalen Debatten, die Statements und Erfahrungsberichte aus den einzelnen Gemeinden als „Salz in der Suppe und den Kern der parlamentarischen Arbeit.“  Auch Dekan Arno Allmann dankte den Synodenmitgliedern „für das große Engagement, für Unterstützung und Begleitung, insbesondere im sehr fordernden Fusionsprozess“. Der Dienst von Arno Allmann als Dekan endet nach 19 Jahren mit der Fusion der zwei Dekanate. Ende Januar 2022 wird die Dekanatssynode sich konstituieren und einen neuen Dekan und einen neuen stellvertretenden Dekan. Bis diese beiden Personen im Mai ihren Dienst antreten, werden Arno Allmann und Ulrike Schmidt-Hesse, Dekanin im Evangelischen Dekanat Darmstadt-Stadt, die Amtsgeschäfte kommissarisch führen. Am 10. April 2022 wird Arno Allmann in Ober-Ramstadt durch den Starkenburger Propst Stephan Arras aus seinem Dienst als Dekan verabschiedet. Stehend und mit langanhaltendem Beifall würdigten die Synodalen ihre Vorsitzende Ulrike Hoppe und ihren Dekan Arno Allmann für deren unermüdlichen Einsatz, um gute Perspektiven für die Zukunft der Evangelische Kirche in der Region zu ermöglichen.

Impulse zur Zukunft der Evangelischen Kirche gab Dr. Steffen Bauer, Leiter der Ehrenamtsakademie der EKHN. „Wie werden wir Kirche sein?“, fragte der Theologe und zeigte drei große Linien auf: Kirche wird anders sein aufgrund der demografischen und gesellschaftlichen Entwicklung. 1990 im wiedervereinigten Deutschland waren mehr als 82 Prozent der Bevölkerung noch Mitglied in der Evangelischen oder Katholischen Kirche, dreißig Jahre später waren es nur noch 51 Prozent. Der Anteil der Konfessionslosen werde steigen, dieser Trend lasse sich nicht verändern. Die Evangelische Kirche – auch in Hessen und Nassau -  wird sich von Gebäuden, insbesondere Gemeindehäusern trennen müssen, die finanzielle Ressourcen binden. Auch die Pfarrpersonen der Generation der Baby Boomer werden in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen und es gibt viel zu wenige ausgebildete Theologinnen und Theologen, um die Stellen zu besetzen.

Eine Kirche, die zuhört und fragt

Doch Steffen Bauer blickt optimistisch in die Zukunft. Es sei eine Haltungsfrage, wie wir Kirche sein wollen. Er will, dass Kirche vor Ort im Gemeinwesen präsent ist und die Mitarbeitenden gabenorientiert in Teams zusammenarbeiten. Mit gemeindeübergreifender und nachbarschaftlicher Zusammenarbeit könne Kirche vor Ort gestaltend und verantwortlich wirken. Dazu brauche es aber eine Entlastung von Verwaltungsaufgaben für Ehren- und Hauptamtliche. Wichtig für Kirche ist so Bauer, „die Menschen zu fragen, ihnen zuzuhören, wenn sie über ihre Erfahrungen mit Leben, Glauben, Gott erzählen“. Das könne in Präsenz vor Ort aber auch via Social Media geschehen. Dazu brauche es Haltungen wie Wertschätzung, Risikofreudigkeit, Reflexionsfähigkeit, eigene Leidenschaft und natürlich Gottvertrauen. In der anschließenden, sehr regen Diskussion ermutigte Bauer die Synodalen, sich aktiv einzumischen in Prozesse wie ekhn2030.   

Berichte und erste Lesungen aus dem Prozess ekhn2030 dominierten auch die Kirchensynode der EKHN am 11. September, erläuterte Ulrike Hoppe, die online teilgenommen hatte. So ging es unter anderem um die Einführung von Nachbarschaftsräumen, Vorbereitungen zur Pfarrstellenbemessung 2025 bis 2029, den Abbau von Genehmigungsvorbehalten sowie einen qualitätsvollen Konzentrationsprozess bei kirchlichen Gebäuden. „In diesen Prozessen ist viel Bewegung, es ist zuweilen auch Dampf auf dem Kessel, da diese Vorhaben unsere kirchliche Landschaft gehörig umwälzen werden und jede einzelne Gemeinde betreffen“, so das Fazit der Vorsitzenden der Dekanatssynode.

Die Tagung begann mit einer Andacht von Dekan Arno Allmann, in der er die „Sehnsucht“ der Menschen nach Erneuerung, nach Frieden und Gerechtigkeit thematisierte. „Sehnsucht hat auch mit Suche, mit Unruhe zu tun, was Gott für die Welt, für die Menschen sein kann. Und sie ist Triebfeder für Engagement in Kirche und für diakonisches Handeln.“

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