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Gottesdienst als besonderes Ereignis

M. Thierolf/ Dekanat Da-LaProf. Dr. Kristian Fechter spricht auf der Dekanatssynode über die Zukunft des Gottesdienstes.

Die Synode des Evang. Dekanats Darmstadt-Land tagte in Nieder-Ramstadt. Die 40 Mitglieder des Regionalen Kirchenparlaments beschäftigten sich schwerpunktmäßig mit dem Thema „die Zukunft des Gottesdienstes“. Außerdem informierten sie sich über den Stand der Fusion mit dem Nachbardekanat und stimmten für einen Antrag, der eine bessere Entlohnung von Vertretungskräften in Kitas vorsieht.

M. Thierolf/ Dekanat Da-LaMitglieder der Dekanatssynode diskutieren in Gruppen über neue und tradionelle Gottesdienstformate.

Nieder-Ramstadt. Gottesdienst in der Krise oder im Aufbruch? Weder noch, sondern Wandel und Veränderung des Gottesdienstes als Normalfall – das ist zumindest die Einschätzung von Prof. Dr. Kristian Fechter. Der Professor für Praktische Theologie an der Universität Mainz hielt vor den Synodalen einen Impulsvortrag, der die Zukunft des Gottesdienstes in Linien aufzeigte und zunächst einen Bogen spannte von den nächtlichen Hochmessen im Mittelalter bis zu dem noch im 19. Jahrhundert gepflegten “Kirchgang als eingelebte Sitte oder soziale Konvention“. Gottesdienst feiern ist gemäß Fechter „Wesenszug gelebter Religion“. Durch kulturelle Umbrüche und die Herausbildung einer modernen Lebenswelt habe sich „eine Wochenendkultur mit eigener Dramaturgie der Zeit“ im 20. Jahrhundert etabliert.

Heute ist  der wöchentliche Gottesdienstbesuch für die meisten Christinnen und Christen nicht die Regel, sondern die Ausnahme, denn dieser sei „persönlich motiviert“. Der Gottesdienst werde zunehmend als Veranstaltung angesehen, aber die Wertschätzung sei geblieben. Auch wenn die oder der Einzelne lediglich an Weihnachten, Ostern oder Erntedank, bei einer Taufe, Bestattung oder Konfirmation  den Gottesdienst besucht. Der Theologe Fechter nennt das die „Logik des Besonderen. Ein Ereignis, das wir als einzigartig empfinden und mit der eignen Lebensgeschichte verknüpfen können.“  Kristian Fechter betont, dass ein Gottesdienst keinem Zweck dient und den Sinn in sich den trägt: dieser kann „Auszeit vom geschäftigen Leben, Anregung oder Schonraum sein“. Der Mensch könne Orientierung finden oder Lebensgefühle zum Ausdruck bringen sowie Zugehörigkeit – und so Gott wirkt - Veränderung erleben.

Der Theologe empfiehlt, den Rhythmus der Kirchenjahreszeiten und –feste von Advent bis Ewigkeitssonntag als verbindliche und verlässliche  Grundstruktur für die gottesdienstliche Teilnahme zu gewährleisten. Gleichzeitig schlägt er vor, den normalen sonntäglichen Gottesdienst „an einzelnen Orten in  lebensweltlicher Reichweite zu konzentrieren“ und parallel an allen anderen kirchlichen Orten in der Nachbarschaft einen „Gottesdienst elementar“ zu etablieren.

Bei der anschließenden Diskussion mit den so Fechter „Experten in den Gemeinden“ wurde deutlich wie viele unterschiedliche Gottesdienst-Formate es dekanatsweit gibt: vom Freiluft- und Gospel- über  Wander- und  Taizé- bis zum Familien- oder Mühlen-Gottesdienst. Einig waren sich die Rednerinnen und Redner, dass es wichtig sei „stimmig die Zeiten und Räume für die Gestaltung der Gottesdienste zu nutzen“.  Auch müsse es möglich sein, Bänke in einer Kirche durch Stühle zu ersetzen, um mit dem „Raum zu arbeiten“ und so neue Formate besser zu gestalten.

Neubesetzung und Vakanz

Dekan Arno Allmann berichtete über Veränderungen im Dekanat. So ist Monika Lüdemann seit März für die Kirchengemeinden Nieder-Beerbach und Frankenhausen als Pfarrerin tätig. Weiterhin vakant sind die ganze Pfarrstelle in Roßdorf und die halbe Pfarrstelle in Gundernhausen, seitdem Dr. Axel Erdmann und Martin Kuhlmann 2019 in den Ruhestand verabschiedet wurden. Neu ausgeschrieben wird auch die halbe Pfarrstelle für das Kirchspiel Ernsthofen, da Gabriele Heckmann-Fuchs nach Groß-Bieberau wechselte. Pfarrerin Claudia Allmann vertritt mit halber Stelle in Nieder-Ramstadt die in Elternzeit befindliche Simone Kistinger. Im Sommer besetzt werde die halbe Pfarrstelle in Pfungstadt durch Dr. Ruth Sauerwein. Allmann erläuterte den Rückgang der Mitgliederzahlen auf 42.967 Ende 2019, das seien fast 1.200 weniger in zwölf Monaten. Neben dem demografischen Faktor – 373 Taufen stehen 648 Bestattungen gegenüber – beunruhigt den Dekan die nach wie vor hohe Zahl der Austritte von rund 600 im vergangenen Jahr.

Infos zum Stand der Fusion

Über den Stand der geplanten Fusion mit dem  Nachbardekanat Darmstadt-Stadt informierten die Mitglieder der Steuerungsgruppe  Pfarrer Christoph Mohr (Nieder-Ramstadt) und Dekan Arno Allmann. Über den Namen des zukünftigen Dekanats beraten und austauschen können Interessierte während eines Forums am 19. März. Entschieden über die Namensgebung wird auf der Synode am 19. Juni. Dann wird auch über die Gebäudestruktur am Sitz des neuen Groß-Dekanats beraten. Vier Architekturbüros wurden beauftragt, eine Machbarkeitsstudie für den Standort Kiesstraße in Darmstadt zu erstellen. Die Jahresrechnung 2018 des Dekanats mit einem Umfang von rund 1,647 Millionen Euro wurde von Jürgen Heitmann (Erzhausen) vorgestellt und einstimmig votierten die Delegierten für eine Entlastung des Dekanatssynodalvorstands und der Regionalverwaltung. „Die Gemeinden profitierten von  68.000 Euro aus dem Finanzausgleich, das zeigt die Solidarität in unserem Dekanat“, freute sich Heitmann. Einstimmig votierten die Synodalen auch für einen Antrag des Dekanats-Kindertagesstätten-Ausschusses. Darin wird das Zentrum Bildung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) aufgefordert, sich mit der Entlohnung von Abwesenheitsvertretungen in ein- und zweigruppigen Kitas zu  beschäftigen und für eine höhere Entlohnung dieser Aufgabe zu sorgen.  Die wichtigen  Beschlüsse der EKHN-Herbstsynode 2019 erläuterte d Ulrike Bochmann-Lilge (Eschollbrücken) und gab einen Ausblick auf die Themen der Kirchensynode, die im April tagen wird. Die Andacht auf der Dekanatssynode hielt Christian Fuhrman, Mitglied im Vorstand der Nieder-Ramstädter Diakonie. Horst Enzmann. nicht nur Mitglied im Nieder-Ramstädter Kirchenvorstand, sondern seit vielen Jahren auch aktiv in der Theatergruppe „Chamäleon – alle(s) inklusiv“, dankte für die Kollekte von über 300 Euro für das Theater-Ensemble, das Dekanatsjugendreferent Jürgen Zachmann leitet.

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