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Gelassen, zuversichtlich und offen Menschen begegnen

Harry HolderriedPfarrer Ehrenfried Kissinger

Ehrenfried Kissinger, Evangelischer Pfarrer in Frankenhausen und Nieder-Beerbach, geht in den Ruhestand. Er wird mit einem festlichen Gottesdienst am Sonntag, 29. Dezember 2019, um 14.00 Uhr von Pröpstin Karin Held und Dekan Arno Allmann aus dem Pfarrdienst verabschiedet.

Ehrenfried Kissinger ist gerade dabei, die Dienstwohnung in Nieder-Beerbach auszuräumen und sortiert aus, was er nicht mitnehmen will. Denn am Jahresende zieht er nach Wiesbaden, wo er gemeinsam mit seiner Frau Christel eine Wohnung hat. Seit September 2011 ist der 65-jährige Theologe in Frankenhausen und Nieder-Beerbach tätig, insgesamt blickt er auf  40 Jahre als Pfarrer und Pfarrvikar im Dienst der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau zurück.  „Der Talar wird erst einmal nicht eingemottet“, betont Kissinger, der weiterhin sporadisch als Seelsorger tätig sein wird und auch an Fortbildungen zur geistlichen Begleitung und an Projekttagen teilnehmen will. Gerne hat er als Pfarrer auf dem Land gelebt – erst in Rheinhessen dann im Odenwald. „Es war eine gute und wohlwollende Zusammenarbeit in Nieder-Beerbach und Frankenhausen, sowohl mit den Mitgliedern der Kirchenvorstände wie auch mit anderen, die Funktionen in den zwei Gemeinden haben“, so Kissinger. Er habe in den vergangenen acht Jahren eine große Offenheit erlebt und große Bereitschaft, Neues auf den Weg zu bringen. Kissinger strahlt Gelassenheit und Zuversicht aus, deshalb fällt es ihm leicht auf Menschen jeden Alters offen zuzugehen und verschiedene Aufgaben zu übernehmen. Gerne hat er Gottesdienste gefeiert, seelsorgerliche Gespräche geführt und mit Konfirmanden gearbeitet. Sich mit den Jugendlichen und ihren Fragen auseinanderzusetzen sei stets eine spannende Aufgabe, die ihm Spaß mache. Damit die Mädchen und Jungen auch einen anderen Frömmigkeitsstil kennenlernen, hat er mit ihnen am Konfi Castle der CVJM teilgensommen. „Dort treffen die Konfirmandinnen und Konfirmanden junge, engagierte Menschen, die über ihren gelebten christlichen Glauben im Alltag erzählen.“

Grünpflege und viele handwerkliche Arbeiten werden ehrenamtlich geleistet

Stolz ist Kissinger darauf, dass er gemeinsam mit den Kirchenvorständen gut gewirtschaftet hat: beträchtliche Ausgaben konnte eingespart werden, weil vieles in Eigenleistung erbracht wurde, auch viele handwerklichen Arbeiten. So haben beispielsweise die Eltern und die Konfirmandinnen bzw. Konfirmanden mit angepackt und das Außengelände rund um die Kirche  „auf Vordermann gebracht“. Ehrenfried Kissinger hat unter anderem gerne selbst die Grünpflege übernommen und mit Mäher und Motorsense die Rasenflächen, Sträucher und Hecken geschnitten. Auch die Tische und Stühle im Gemeindehaus – inzwischen über 50 Jahre alt – wurden von Ehrenamtlichen aufgearbeitet. In Eigenleistung ist auch ein schöner Altar auf Rollen für den Multifunktionsraum im Nieder-Beerbacher Gemeindehaus entstanden. In den Wintermonaten werden hier die Gottesdienste gefeiert, da der Zugang über die lange, steile Naturstein-Treppe zur Kirche beschwerlich ist. Aber auch in den Sommermonaten treffen sich die Gottesdienstbesucher einmal im Monat  im Gemeindehaus. Ein Erdbeben im Mai 2014 verursachte erhebliche Schäden an der Nieder-Beerbacher Kirche. Aufwendige Arbeiten waren nötig, um diese zu beheben. Auch hier haben die Ehrenamtlichen mitgeholfen und Kosten eingespart. An Frankenhausen schätzt der scheidende Pfarrer die außergewöhnlich gute Dorfgemeinschaft, aber auch in Nieder-Beerbach gibt es viele ehrenamtlich Engagierte. Der Kontakt zu Feuerwehr und Vereinen sei in beiden Mühltaler Ortsteilen gut. Besonders lobt er die Zusammenarbeit zwischen den pfarramtlich verbunden Kirchengemeinden, die einige Veranstaltungen wie den Weltgebetstag  gemeinsam gestalten. Gefallen hat ihm die sehr gute kollegiale Zusammenarbeit der Mühltaler evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrer untereinander, es gebe aber auch gute Kontakte zu allen christlichen Gemeinschaften in Mühltal.  

Musik spielt große Rolle

Die Musik - von der Kirchen- bis zur Popmusik -  spielt für Ehrenfried Kissinger eine große Rolle. Bislang hat er fürs Pflichtprogramm sehr intensiv geübt, denn der Pfarrer übernahm bei vielen seiner Gottesdienste selbst die musikalische Begleitung. Zukünftig wird er das spielen, was ihm gefällt. Das E-Piano passt in die Wohnung in Wiesbaden, aber wo zukünftig der kleine Flügel stehen kann, weiß er noch nicht. Von Konzerten während der Nacht der Kirche in Nieder-Beerbach über Serenaden-Gottesdienste  bis zu „Bach und Beatles“ reichte das Veranstaltungs-Spektrum in den vergangenen Jahren. Kissinger ist nicht nur ein „Bach-Freund“ sondern schätzt auch die Stücke der Beatles. Was ihn freut: seit einem Jahr gibt es wieder einen Gospelchor mit über 20 Sängerinnen und Sängern, die großen Spaß haben und einem guten Chorleiter. Früher gab es schon einmal einen Gospelprojektchor, der sich aber aufgelöst hat. In Frankenhausen wirkt der Chor des GTV regelmäßig bei besonderen Gottesdiensten mit. Spaß macht dem Theologen die Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kindertagesstätte in Nieder-Beerbach, getragen von der Kirchengemeinde und offen für alle Kinder im Dorf. Gemeinsam mit dem Kirchenvorstand, der sehr engagierten Kita-Leiterin und den Erzieherinnen wurden Konzepte erarbeitet und gute Beziehungen zu den Kindern, Eltern und Großeltern gepflegt. Die kommen auch alle gerne fünf Mal im Jahr vormittags zum Kindergarten-Gottesdienst in die Kirche. „Früher hat die Volkskirche einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft gehabt, inzwischen ist der Traditionsabbruch deutlich zu spüren – auch auf dem Land“, bilanziert Kissinger zum Ende seiner Dienstzeit. Darauf müsse die Evangelische Kirche mit neuen, veränderten Konzepten antworten.

Berufliche Stationen

Ehrenfried Kissinger war vor 2011 mehrere Jahre Gemeindepfarrer von vier Dörfern in Rheinhessen gewesen und hatte davor 16 Jahre lang die Pfarrstelle in Gustavsburg (nahe Mainz) inne. Geboren und aufgewachsen im rheinhessischen Selzen, studierte Kissinger in Mainz Evangelische Theologie. Dem Vikariat in Wiesbaden-Biebrich folgte das Spezialvikariat bei der Gemeindeberatung der Evangelischen Kirche in Frankfurt. Die erste Stelle führte ihn und seine junge Familie wieder zurück nach Rheinhessen: sechs Jahre war er dort als Landpfarrer dreier Gemeinden tätig. Außerhalb einer Kirchengemeinde war der vielseitig interessierte Theologe vier Jahre am mittelhessischen Laubachkolleg als Lehrer sowie als Heimleiter des angegliederten Internats tätig. Das Kolleg ist ein Oberstufengymnasium und Institut des zweiten Bildungswegs, das von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau getragen wird. Es ist eine Schule mit christlich-humanistischer Prägung, an der junge Erwachsene in Klassenstufe 12 und 13 gemeinsam mit den jüngeren  lernen. Seinen Horizont erweitern, das ist ihm stets wichtig gewesen. So hat er in seiner Zeit als Pfarrer in Gustavsburg Blockseminare in  Philosophie und Systematischer Theologie an der Uni belegt. Außerdem hat er sich immer wieder fortgebildet: in Pastoralpsychologie, Arbeit mit Konfirmanden, Liturgie oder Meditation. Das sei in einer Großfamilie mit vier Kindern nur mit einer hohen zeitlichen Disziplin möglich gewesen. Die drei Töchter und der Sohn  sind  erwachsen, und er freut sich über sechs Enkelkinder, die er im Ruhestand nun öfters treffen kann als zur aktiven Zeit im Pfarrdienst.

Pfarrer Ehrenfried Kissinger wird mit einem festlichen Gottesdienst am Sonntag, 29. Dezember 2019, verabschiedet. Seine Nachfolgerin Monika Lüdemann tritt die Pfarrstelle in Frankenhausen und Nieder-Beerbach am 1. März 2020 an. Sie wird mit ihrem Mann und zwei Kindern ins Pfarrhaus ziehen. In dem großen Gebäude finden auch die zwei weiteren erwachsenen Kinder Platz, wenn sie die Familie besuchen.

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