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Impulspost 'Trauer mit mir ..."

„Verlust ist wie ein Stein, der uns gegeben wird“

Melanie SchweinfurthSchauspieler Christian Wirmer und Musikerin Maria José Fernandéz widmeten sich auf künstlerischer Ebene dem Thema Trauer und Trost.

Einen inspirierenden Abend mit Gesprächen, Gedanken und Musik zur Aktion „Trauer mit mir …“ veranstaltete die Evangelische Propstei Starkenburg in Weiterstadt-Braunshardt. Der Schauspieler Christian Wirmer, die Musikerin Maria Jose Fernandez, Pröpstin Karin Held, Trauerseelsorgerin Tabitha Oehler und Dekan Arno Allmann gestalteten gemeinsam diesen besonderen Abend.

von Melanie Schweinfurth

WEITERSTADT. Mal ist Christian Wirmers Gesicht von innerem Schmerz verzerrt. Die Faust ist wütend erhoben, sein Blick irrlichtert durch den Saal. Dann wieder ist der Kopf gesenkt, die Schultern sind gebeugt, die Augen geschlossen. Ist seine Haltung Ausdruck von Demut oder Resignation?
Einen Hinweis gibt der Text, der Gestik, Mimik und Körperhaltung des Schauspielers trägt. „Von Tag zu Tag“ heißt das Werk von Huub Oosterhuis, das die emotionalen Phasen nach einem schweren Verlust schildert – mal als Zwiegespräch mit sich selbst, mal als Dialog mit Gott. Anfänglich betäubt und unfähig zu fühlen, empfindet der Trauernde erst tiefe Einsamkeit, dann flammende Wut, später zeigt sich ein Funken Hoffnung auf Versöhnung mit sich selbst, mit Gott und der neuen Situation, die eine Auseinandersetzung erzwingt und alles in Frage stellt. Auch die Beziehung zu Gott.
„Vor meinem eigenen Tod ist mir nicht bang. Das Gehen schmerzt nicht halb so sehr wie das Bleiben. Den eigenen Tod, den stirbt man nur. Mit dem Tod der anderen muss man leben“, heißt es da. Aber auch: „In mir ist es finster, aber bei Dir ist Licht. In mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist Geduld.“ Den versöhnlichen, hoffnungsvollen Abschluss, den Moment, als sich ein neuer Himmel und eine neue Erde zeigen, nachdem der Tod getötet ist, begleitet Musikerin Maria José Fernandéz mit dem dritten Satz aus Mozarts Klarinettenkonzert.
Wirmer und Fernandéz gestalteten den dritten Teil der Veranstaltung unter dem Titel „Was ist, was kommt und was bleibt“ im Erica-Küppers-Haus in Weiterstadt-Braunshardt, zu der 40 Gäste gekommen waren. Die Veranstaltung war Teil einer Reihe von inspirierenden Abenden, zu denen die Propsteien der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) im November einladen. Der Umgang mit Trauer und Trost ist das Schwerpunktthema der Impulspost der EKHN, und es ist das Thema der Veranstaltungsreihe.
In Weiterstadt gibt es mit Tabitha Oehler eine Ansprechpartnerin für alle Menschen, die trauern, meist nach dem unwiederbringlichen Verlust eines Menschen. Die Gemeindepädagogin und zertifizierte Trauerbegleiterin steht bereits seit 16 Jahren trauernden Menschen zur Seite, bietet in geschütztem Raum die Möglichkeit, sich mit allen Empfindungen anzuvertrauen, bei sich selbst und anderen anzukommen, Gefühle zu artikulieren und einzuordnen.
Dekan Arno Allmann nahm die vergangenen 16 Jahre zum Anlass, Tabitha Oehler nach der Motivation für ihr ungebrochenes Engagement zu fragen. „Die Menschen selbst sind es, die mich motivieren“, sagte die Gemeindepädagogin. „Ich erlebe, wie sie in all ihrer Vielfalt Wege aus der Trauer finden.“ Wann die Zeiten der Trauer vorüber sind, könne niemand voraussagen.
„Verlust ist wie ein Stein, der uns gegeben wird. Anfangs ist er schwer und scheint uns zu erdrücken und an der Fortbewegung zu hindern. Aber mit der Zeit wird er kleiner und leichter. Trotzdem tragen wir ihn meist immer mit uns.“ Denn das Problem sei nicht die Trauer, sondern der Verlust. Es sei wichtig, mit einem Menschen in Trauer Kontakt zu halten, zu fragen, ob er oder sie etwas braucht, reden möchte oder bei der Alltagsbewältigung Unterstützung benötigt. „Wir müssen auch akzeptieren, wenn die betreffende Person einmal nicht reden möchte und meine Angebote ablehnt. In der Begleitung Trauernder muss ich aushalten, dass die Menschen untröstlich sind und man sie nicht einfach trösten kann – aber gerade das ist dann das Tröstliche.“
„Wir wollen nicht vertröstet, sondern getröstet werden“, sagte Pröpstin Karin Held. Trost in haltbarer Währung zu finden, sei nicht einfach. „Hier zeigt uns die Bibel ein Licht und bietet Möglichkeiten, das eigene, individuelle Trostwort zu finden. „Was wahrer Trost ist und was nicht, lesen wir bei Hiob, der reich an Ansehen, Gesundheit, Kindern und Freundschaft war und alles verlor. Seine engsten Vertrauten und Freunde nahmen sich sieben Tage Zeit für ihn, schwiegen mit ihm und weinten mit ihm“, erzählte Pröpstin Held.
Doch dann begannen die Freunde, Hiob mit Worten zu trösten. Dieser fühlte sich belehrt und bevormundet. Die Gefühle und Reaktionen in Zeiten der Trauer beschreibe die Bibel anhand der menschlichen Empfindungen, so Held. „Die Bibel ist ein Trostbuch, das uns wohltut und stärkt, wenn wir bedürftig sind.“

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