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11. September

Begegnung und Versöhnung

M. SchweinfurthMohammed Naved Johari warb im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Mystische Momente Mühltal“ auch für den interreligiösen Dialog.

Zum Auftakt der Reihe ‚Mystische Momente Mühltal‘ hielt Mohammed Naved Johari am 11. September einen Vortrag zu „Misbaha – die Gebetskette des Islam“ in Nieder-Ramstadt. Gemeinsamkeiten der Religionen sollten Grundlage für einen respektvollen und friedlichen Dialog sein.

NIEDER-RAMSTADT. Die Zahl 3 hat in vielen Bereichen eine besondere Bedeutung. In der Musik kennt man den Dreiklang, in der Physik die drei Dimensionen und im christlichen Glauben die Dreifaltigkeit aus Vater, Sohn und Heiligem Geist.

Auch im muslimischen Glauben ist die Zahl 3 bedeutsam. Demnach gebe es drei Arten von Lobpreisungen Allahs, die täglich je 33 Mal ausgesprochen werden sowie drei Arten der Erfüllung von Bittgebeten, wie Mohammed Naved Johari den knapp 30 Gästen der Veranstaltungsreihe „Mystische Momente Mühltal“ in der Nieder-Ramstädter Lazaruskirche erläuterte.
„Oft denken Menschen, die sich mit einer Bitte an Allah gewandt haben, Er habe sie nicht erhört“, schilderte der Sozialpädagoge, der sich seit mehr als 15 Jahren für den interreligiösen Dialog engagiert. Doch meist werde eine Erfüllung des Bittgebets nur dann wahrgenommen, wenn sie unmittelbar erfolge. „Es gibt aber auch indirekte Arten der Erfüllung. Sie kann beispielsweise erst im Jenseits erfolgen oder darin bestehen, dass einem Menschen Leid erspart wird“, sagte Mohammed Naved Johari.
Dass Gottes Entscheidungen unergründlich und seine Wege unerforschlich sind, wie es in der Bibel heißt, gelte ähnlich auch für den Islam. „Christentum und Islam haben viele Gemeinsamkeiten. Weil sie sich so ähnlich sind, gibt es zwischen ihnen so häufig Reibungen“, befand Naved Johari und fügte an: „Reibung erzeugt auch Wärme. Wir sollten auf emotionaler und gesellschaftlicher Ebene diese Wärme nutzen und uns dafür einsetzen, dass sie sich nicht entzündet.“
Annäherung und Begegnung seien ein wesentliches Ziel der Veranstaltung, ergänzte Pfarrer Clemens Bittlinger. Deshalb sei der 11. September das geeignete Datum für den Abend unter dem Titel „Misbaha – die Gebetskette des Islam“. Seit den dramatischen Ereignissen 2001 in New York ist „Nine eleven“ zum Synonym für die Unvereinbarkeit von Christentum und Islam geworden. „Wir wollen das Datum zum Anlass für Versöhnung und Begegnung nehmen“, sagte Bittlinger.
In beiden Religionen finde man den Sinn des Lebens in der Verbindung mit Gott, erklärte Mohammed Naved Johari. „Den idealen Zustand haben wir erreicht, wenn wir uns von dem Pflichtgefühl Gott gegenüber befreit haben und stattdessen sehnsüchtig nach dem nächsten Kontakt mit dem Herrn streben.“ Eine besonders intensive Verbindung entstehe durch Wiederholung.
So werden die drei rituellen Gebete „Gepriesen sei Allah“, „Alles Lob gebührt Ihm“ und „Gott ist größer als alles“ je nach Stand der Sonne mehrmals täglich je 33 Mal wiederholt. Um die Gebete in der vorgegebenen Anzahl und Abfolge entsprechend zu wiederholen, dient die Gebetskette als Hilfsmittel. „Ich selbst zähle die Gebete an den Fingergelenken ab. Viele Gläubige machen es so. Trotzdem gibt es in jedem muslimischen Haushalt mindestens eine Gebetskette mit 33 oder 99 Perlen“, sagte Mohammed Naved Johari. Mittlerweile gebe es sogar digitale Zähler, die, ähnlich einer Stoppuhr, das Gottgedenken mitzählen.
Während der Koran für das Fasten, Pilgern und Teilen mit Bedürftigen Begrenzungen vorschreibt, gebe es für das Gottgedenken keine Grenzen. „Im Gedanken an Gott liegt immer etwas Positives, Hoffnungsvolles“, erklärte Naved Johari. So kenne der Islam durchaus auch Humor. „Humor und Freude dürfen und sollen sein. Tabu ist aber alles, was in anderen Religionen angebetet wird. Das muss respektiert werden, und hier erwartet der Islam ebenfalls Respekt.“
Lob und Dank gegenüber Gott und Barmherzigkeit gegenüber den Mitmenschen seien bedeutende Aspekte beider Religionen. Diese Gemeinsamkeiten sollten als Grundlage für einen respektvollen und friedlichen Dialog dienen.

Text und Foto: Melanie Schweinfurth

Hintergrund:

Die Reihe „Mystische Momente Mühltal“ wird veranstaltet von dem Evangelischen Dekanat  Darmstadt-Land in Kooperation mit den Evangelischen Kirchengemeinden in Mühltal und der Theophrastus-Stiftung, Mühltal. Die Reihe wird am 16. Oktober fortgesetzt. Dann wird Schwester Kusalanandi vom Zentrum Buddhas Weg in Siedelsbrunn „Mala, die Gebetskette der Buddhisten“ vorstellen. Die Reihe endet mit einem Multimedialen Konzert am 13. November. Dann werden Clemens Bittlinger, Bettina Alms, David Plüss und David Kandert die „Perlen des Glaubens“ der Protestantischen Kirchen vorstellen. Beginn jeweils um 20 Uhr. Der Eintritt ist frei. Infos unter: www.darmstadt-land-evangelisch.de

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