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Vertrauen wächst in der Zusammenarbeit

(c) Ev. Dekanat/ThierolfPfarrer Tomas Herrmann

Tomas Herrmann, Pfarrer der Luthergemeinde Griesheim, geht in den Ruhestand. Er wurde Anfang Juni mit einem feierlichen und bewegenden Gottesdienst nach 28 Jahren Dienst in der südhessischen Gemeinde verabschiedet. Ihn und seine Frau zieht es wieder zurück nach Oberhessen.

GRIESHEIM. Ein Teil des Feigenbaums im Innenhof des Pfarrhauses zieht mit Tomas Herrmann und seiner Frau Elisabeth um nach Oberhessen – wenn auch nur in Form von zwei Ablegern. Die beiden haben die grünen aromatischen Früchte vom Hochsommer bis zum November gerne geerntet und gegessen. Vor 28 Jahren sind sie in das Haus mit dem großen Garten eingezogen und Tomas Herrmann hat den Dienst als Pfarrer der Luthergemeinde Griesheim begonnen und betont: „Wir fühlten uns von Anfang an mit offenen Armen aufgenommen – insbesondere von den Gemeindemitgliedern, dem Kirchenvorstand und meinem Pfarrkollegen Alexander Becker. Als dieser in den Ruhestand ging, sei mit Thomas Waldeck ein Pfarrkollege gekommen mit dem er nun sechs Jahre sehr gut und intensiv zusammengearbeitet habe. „Auch im Kirchenvorstand habe ich immer ein sehr vertrauensvolles Miteinander erlebt, mit konstruktiven Diskussionen und großer Hilfsbereitschaft“, so Herrmann. Der scheidende Theologe lobt rückblickend das gute Zusammenwirken der unterschiedlichen Gruppen und Kreise der Luthergemeinde und hebt die Evangelische Frauenhilfe hervor, die sich gut und hilfreich eingebracht habe und an deren Treffen er gerne teilnahm. Seine langjährige Tätigkeit als Theologe in Griesheim sei vorteilhaft gewesen. „Als Gemeindepfarrer konnte ich viele Familien kennen lernen und mit ihnen die großen Freudenfeste feiern, die Hochzeiten, die Taufen und Konfirmationen“, sagt er. Aber auch bei Trauerfeiern und der seelsorgerischer Begleitung fließe das gewachsene Vertrauensverhältnis positiv ein. Niederschwellig Kontakt halten mit vielen Bürgerinnen und Bürgern, das war ihm immer wichtig und so ergaben sich Gespräche beim Einkaufen, in der Straßenbahn oder auf den Dienstwegen mit den Fahrrad durch die Stadt.

Dass Elektrontechnik eines seiner Hobbies seit langer Zeit ist, kann Tomas Herrmann nicht verleugnen, denn das alte Telefon im Flur des Pfarrhauses und die Fotografien an den Wänden verraten es. Mehr als eine Freizeitbeschäftigung ist seit Kindertagen auch das Musizieren. Er spielt viele Instrumente von Kontrabass und Gitarre über das Saxophon bis zum Klavier. Allerdings hat sich Herrmann dann doch für ein Studium der Theologie entschieden. Beeinflusst und beeindruckt hat ihn die gute Gemeindearbeit des Pfarrers im Ort, der ihn konfirmierte. Herrmann wurde 1957 in Lich geboren und ist im Dorf Watzenborn südlich von Gießen aufgewachsen. Er unterstützte schon als Jugendlicher beim Kindergottesdienst und leitete später Jugendgruppen.

Kirchenmusik im Fokus

Die kirchenmusikalischen Angebote systematisch auszubauen, das war von Anfang an das Ziel von Herrmann und Becker. Finanziert durch Spenden und Stiftungsgelder konnten sie gemeinsam mit einem hauptamtlichen Kirchenmusiker den Gospelchor und später den Cantamus-Chor etablieren. Die Kirchenmusikerin Gudrun Wiediger hat die Angebote noch erweitert. „Musik führt Menschen ganz unterschiedlichen Alters zusammen. Chormitglieder beteiligen sich auch sehr aktiv am Leben in der Kirchengemeinde“, so der Theologe. Gerade Jugendliche würden Musik sehr schätzen. Konzerte in der Kirche – von Klassik bis Jazz – schenkten Griesheim immer wieder besondere Erlebnisse. Herrmann hat seine musikalischen Fähigkeiten gerne in die Gemeindearbeit eingebracht, ob bei der Kerb, im Religionsunterricht oder bei anderen Gelegenheiten. „Ich habe das gespielt, was in der Band gerade gebraucht wurde“, sagt er schmunzelnd. Wichtig ist ihm auch der Blick über den Tellerrand des kirchlichen Umfeldes. Über seine Frau Elisabeth, die als Zahntechnikerin immer beruflich tätig war, habe er gute Einblicke in eine normale Arbeitswelt erhalten.

Eine große Gemeinde zu managen mit vielen Mitarbeitenden - von der Sekretärin über die Gemeindepädagogin und Kirchenmusikerin bis zu den Erzieherinnen in der Evangelischen Kita – ist eine anspruchsvolle Aufgabe für die beiden Pfarrer. „Kommunikation und Vertrauen sind wichtig, deshalb haben wir alle gemeinsam beim jährlichen Mitarbeitenden-Tag den Status quo analysiert und Zukunftsperspektiven entwickelt“, erläutert Herrmann. Man verstehe sich als interdisziplinäres Team, das gemeinsam Projekte realisiere. Die Kita ist für ihn ein wichtiges und großartiges Stück der Gemeindearbeit über die viele Familien erreicht werden. Traditionell ist die Verbindung zu den vielen Landwirten in Griesheim gut, die Landfrauen gestalten den Erntedankgottesdienst mit. „Wir pflegen hier eine bodenständige Theologie, die mit dem Alltag der Menschen in Beziehung steht, mit ihrem Leben und Glauben.“ Die Luthergemeinde ist auch über die Kerb hinaus in der Stadt präsent. Sie beteiligt sich an ökumenischen Projekten wie der Nacht der Kirchen oder gibt gemeinsam mit den anderen christlichen Gemeinden ein Faltblatt für Neubürger*innen Griesheims heraus.

Tomas Herrmann wurde in einem feierlichen und bewegenden Gottesdienst unter „Corona-Bedingungen“ am 7. Juni in der Lutherkirche Griesheim von Dekan Arno Allmann in den Ruhestand verabschiedet.Nun zieht es Tomas Herrmann und seine Frau wieder zurück nach Oberhessen. In einem Dorf nahe Gießen hat das Paar ein Haus gekauft, das sie gerade renovieren. Dort haben sie Muße sich ihren Hobbies zu widmen – dem Musizieren, Radfahren und Wandern. Seine Nachfolgerin Dr. Ruth Huppert wird die Pfarrstelle in Griesheim voraussichtlich im August antreten. 

Berufliche Stationen

Tomas Herrmann hat das Theologiestudium in Göttingen begonnen und wechselte später nach Mainz. Sein Fokus war von Anfang an die Vorbereitung auf das Gemeindepfarramt. „Das Studium war eine intensive Zeit, ich konnte meine Glaubensstandpunkte entwickeln“, so Herrmann. Sein Vikariat führte ihn nach Darmstadt ins Martinsviertel. Die Vorbereitung von Wehrdienstverweigerern auf die Glaubens- und Gewissensprüfung durch Pfarrer Eitel war Schwerpunkt seines Spezialvikariats. Diese Aufgabe hat er im Evangelischen Dekanat Darmstadt-Land weitergeführt, nachdem er ab 1986 eine Pfarrstelle in der Kirchengemeinde Pfungstadt fand. Das Teampfarramt mit zwei Kollegen und einer Kollegin empfand er als positive Erfahrung. Die Vielfalt in dieser großen Gemeinde mit mehreren Gemeindehäusern war für ihn auch eine Herausforderung. Nach sechs Jahren wechselte er im April 1992 in die Luthergemeinde Griesheim.

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